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Interview mit dem Barkeeper Christian Brannath

1. Wie bist Du zu dem Job des Barkeepers gekommen?

In meiner Ausbildung zum Restaurantfachmann gehörte auch die Abteilung Bar in den Rahmenplan. Da ich den größten Teil meiner Lehre im Übersee-Club absolvierte, war ich jeden Tag viele Stunden in der Bar tätig. Das hat mich geprägt und die Arbeit in der Bar gehörte dadurch zu meinem Alltag. Nach einigen Stationen in verschiedenen Betrieben mit Bars habe ich soviel gelernt, dass ich eine Bar-Staff führen konnte. Nach Jahren erhielt ich das Angebot, die Ausbildung von Barkeepern an der Gewerbeschule Gastronomie und Ernährung durchzuführen. Meine Weiterbildung zum Restaurant- & Barmeister ermöglichte mir meine heutige Position als Fachlehrer im Bereich Restaurant- und Bar. Im Berufsverband der Deutschen Barkeeper-Union bin ich der 1. Vorsitzende der Sektion Hamburg/Schleswig-Holstein.

2. Was erwartest Du von Deinem Job?

Also ich denke „erwarten“ ist vielleicht das falsche Wort. Ich hoffe (jungen) Menschen helfen zu können etwas in sich selbst zu entdecken und ihnen die nötigen Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, damit sie später erfolgreich ihren Beruf ausüben können.

3. Was hältst Du von dem Projekt „Cocktail ohne Alkohol“?

„ich kann auch anders“ bzw. „... gegen Koma-Saufen bei Jugendlichen“ ist ein ganz wichtiges Projekt. Jugendliche zeigen anderen Jugendlichen das es auch anders geht und man dadurch nicht „out“ ist, sondern eigentlich „in“. Der erhobene Zeigefinger hat meistens keinen Erfolg, eher überzeugt man durch Vorbildfunktion und natürlich in Form von gemixten Getränken die auch ohne Alkohol schmecken. Es hätte eigentlich schon viel früher ins Leben gerufen werden sollen, aber besser spät als nie.

4. Welche persönlichen Ziele/Erwartungen hast Du bei dem Projekt „Cocktail ohne Alkohol“ verfolgt?

 Als Lehrer bin ich für einige Zeit Begleiter der in der Ausbildung, Weiterbildung bzw. Fortbildung befindlichen Personen. Ein Ziel ist es, die Teilnehmer der Bar-Kurse so gut zu schulen, das sie später selbstständig arbeiten können. Meine „Erwartungen“ sind eher Wünsche, nämlich das dieses Projekt „Schule“ macht und viele Kreise, Kommunen etc. sich ein Beispiel nehmen und dadurch viele Jugendliche erreicht werden können. Sinnvoll wäre natürlich auch für später vielleicht, der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol!

5. Gibt es in näherer Zukunft weitere ähnliche Projekte an denen Du teil nimmst?

Wenn ja, wie sind diese Aufgebaut?In der Zukunft sind ähnliche Projekte in anderen Orten geplant. Der Aufbau hat sich bewährt, viel praxisorientiertes Lernen macht Spaß und bringt unterm Strich den größten Erfolg. Gegenwärtig sind einige Mitglieder unserer Sektion für diese Projekte in Norddeutschland unterwegs.

6. Welche Erfahrung hast Du in Deinem Job mit alkoholisierten Jugendlichen gemacht?

Das kommt leider häufiger vor als gewünscht. Viele Jugendliche prahlen mit dem Umgang mit Alkohol. Das Bewusstsein über die Nebenwirkungen und Auswirkungen ist meist stark getrübt.

7. Was hältst Du von Seiten wie „ich – kann – auch – anders“ oder „kenn dein Limit“?

Wie schon erwähnt ist beides sehr wichtig. Für sehr junge Menschen die Einsicht, dass man auch ohne Alkohol feiern und Spaß haben kann. Für die etwas älteren die u.U. mit alkoholischen Getränken in Berührung kommen, die Erkenntnis und das Wissen über die Auswirkungen von (übermäßigem) Alkoholkonsum.
Christian Brannath mit Shakern
Hamburger Abendblatt, Janina Dietrich