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Fragen an einen Jugendlichen:

In welchem Alter bist du das erste Mal mit Alkohol in Kontakt gekommen ?

Mit 13 Jahren. Alle meine Freunde waren älter als ich, da war das irgendwie ganz normal das ich mitgetrunken habe.

Wann warst du das erste Mal betrunken ?

Mit 13 oder 14 Jahren. Ich erinner mich aber überhaupt nicht an Details. So wie ich mich eigentlich an die ganze Zeit von 13 bis 16 kaum detailreich erinnere. Das liegt alles irgendwie im Nebel.

Wie oft hast du 16 Jahren Alkohol konsumiert, wie oft vor deiner Therapie ?

Mit 16 eigentlich nur am Wochenende mit meinen Kumpels, heute mindestens jeden zweiten Tag.  

Trinkst du nur in Gesellschaft oder auch alleine ?

Auch alleine. Das hat bei mir nichts mehr mit Gruppenzwang oder so zu tun.

In welcher Stimmung trinkst du am meisten ?

Eher wenn ich gut drauf bin, feiern gehen will. Frusttrinker bin ich eigentlich nicht.

Wie oft warst du vor deiner Therapie im „Vollrausch“ ?

Eigentlich immer 2x die Woche, manchmal sogar auch Donnerstag, Freitag und Samstag hintereinander.

Wie groß ist der Einfluss deines Freundeskreises auf dein Trinkverhalten ?

Groß. Sehr groß sogar. Damals haben eben alle so viel getrunken, heute habe ich einen vernünftigeren Freundeskreis. Klar, wir trinken schon mal einen über den Durst, aber nicht mehr in dem Maße und auch nicht mehr so oft. Wir kennen einfach unsere Grenzen besser und können es uns nicht mehr leisten Montags Morgen völlig verkatert beim Chef aufzutauchen.

Wann hast du gemerkt, dass du ein „Problem“ mit deinem Alkoholkonsum hast ? Ist es dir selbst aufgefallen oder wurdest du darauf aufmerksam gemacht ?

Es haben mich schon früh Freunde darauf angesprochen, aber ich habe sie lange Zeit nicht ernst genommen. Daher hab ich es im Endeffekt erst später selbst bemerkt. Ich habe nicht mehr getrunken um mich zu betrinken, sondern weil es zur Gewohnheit geworden war.

Wie lange hat es gedauert bis du dachtest: „ So geht es nicht mehr weiter, es muss sich was ändern !“ und warum ? Gab es einen Impuls ?

An einem Abend vor ca. 1 1/2 Jahr habe ich auf einmal bemerkt das meine Hand zittert. Ich konnte mir nicht erklären warum und hab vor Schreck erstmal ein Bier getrunken. So wie immer habe ich dann im Endeffekt ein paar mehr Bier getrunken und dann ist mir irgendwann aufgefallen, dass das Zittern weg war.

Das hat mich irgendwie schockiert und mir die Augen geöffnet, dass ich drauf und dran war die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren.

Wie bist du das Problem dann konkret angegangen ?

Ich wusste lange Zeit nicht wie oder viel mehr was ich ändern sollte, damit die Verlockung nicht so groß ist. Der Griff zum Bier war eben meistens einfacher als sich mit mir selbst auseinander zu setzen.

Aber glücklicherweise hat der Chef meines Ausbildungsbetriebes irgendwie Wind von der Sache bekommen und das einzig Richtige getan. Er hat mir ermöglicht ein halbes Jahr auszusteigen und eine Therapie zu machen anstatt mich rauszuschmeißen. Dann war ich noch 3 Monate alleine mit dem Rucksack in Skandinavien unterwegs und hab z.B. auf Bauernhöfen gearbeitet .

Da hab ich gelernt wie es ist auf sich alleine gestellt zu sein und musste mich gezwungenermaßen mit mir selbst auseinander setzten.

Dort hab ich einen Weg gefunden eigenverantwortlich mit Alkohol umzugehen.

Was war die größte Schwierigkeit auf dem Weg zum „normalen“ Trinken ?

 Die größte Schwierigkeit war ich selbst oder vielmehr mein Unterbewusstsein das mir immer wieder in den Rücken fiel und meinte zu sagen: ich habe eigentlich gar kein Problem damit, es ist nur das Wissen, das von Außen an mich ran getragen wird, dass es schlecht ist und dir schadet.

Ich hatte enorme Stimmungsschwankungen und wollte oft eigentlich gar nichts ändern. Ich glaube ich habe insgesamt 3 Anläufe gebraucht.

Wie ist dein Verhältnis zu Alkohol heute ?

Ehrlich gesagt immer noch wackelig aber ich glaube ich kann sagen: halb so exzessiv wie früher ! Mir ging es nie darum gar nichts mehr zu trinken, das finde ich unrealistisch, aber einfach zu wissen wo meine Grenzen sind und zu wissen das Verzichten nichts schlimmes ist, sondern etwas auf das ich stolz sein kann.

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